Login
 
RSS Feed Twitter Facebook Google+

Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für Juli 2017

Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für Juli 2017

Die Hitzewelle ist wieder da und gleichzeitig mit ihr auch der Tätigkeitsbericht der Bundesprüfstelle für gefährdete Medien (BPjM) für den vergangenen Monat. Doch während uns die aktuellen Temperaturen die Blut in den Adern kochen lässt, sorgt der nachfolgende Bericht vor allem für kühle Gemüter bei den Filmfans. Konkret dürfen wir euch berichten, dass man gleich drei bekannte Filme vom deutschen Index geholt hat: Starship Troopers, Freitag der 13. und Hexen bis aufs Blut gequält

Während Starship Troopers, Paul Verhoeven’s („Robocop“) Adaption des gleichnamigen Romans von Robert A. Heinlein („Fremder in einer fremden Welt“), in den Kinos und später auf VHS noch ungekürzt zu sehen war, veranlasste die Bundesprüfstelle im März 1999 die Indizierung des oft missverstandenen Films, welcher laut Aussagen des Regisseurs eine Satire auf den Faschismus und Militarismus ist. Während im Fernsehen verschiedene gekürzte Fassungen zu sehen war, erschien der Film auf DVD und Blu-ray immer ungeschnitten. Nach nun erst 18 Jahren erfolgte nun die vorzeitige Listenstreichung, sodass „Starship Troopers“ in seiner ungekürzten Form von der FSK geprüft werden darf.

Nach insgesamt drei Filmen und mehreren animierten Abenteuern, erscheint mit Starship Troopers – Traitors of Mars diesen September der nächste Animationsfilm. Möglich ist, dass Sony Pictures passend dazu eine Neuauflage des 1997 erschienen Films auf den Markt bringt.

Bereits zu seiner Kinoveröffentlichung 1980 kam Sean S. Cunninghams Freitag der 13. nur in einer leicht zensierten Fassung und R-Rating in die US-Kinos. Im deutschsprachigen Raum hingegen kam er direkt unzensiert auf VHS heraus, welche einige Jahre später auch direkt auf dem Index landete. 2008 war eigentlich die 25-Jahresfrist verstrichen, jedoch war die BPjM weiterhin der Meinung, dass bei dem Kult-Slasher eine Jungendgefährdung vorliegt und sprach eine Folgeindizierung aus. Jetzt und nach genau 34 Jahren ist der erste Teil rund um den Killer von Camp Crystal Lake von seinem Dasein auf dem Index erlöst.

Nach dem Gang zur FSK betreff einer Neuprüfung, wird uns ’84 Entertainment den Film sicherlich neu und in bester Qualität für unsere Heimkinos präsentieren. Das Kult-Label kämpfte in den vergangenen Monaten darum, die noch indizierten bzw. beschlagnahmten Filme der Reihe zu rehabilitieren, sodass diese endlich komplett unzensiert für uns zu genießen sind.

1982 indiziert und im Jahr 2000 und 2005 beschlagnahmt: Dies alles noch viel mehr hat der in Österreich gedrehte Folter-Exploitationfilm Hexen bis aufs Blut gequält alias Mark of the Devil hinter sich. Nachdem Turbine Medien bereits im März 2016 eine Aufhebung der Beschlagnahmung erwirken konnte, genügte dies der BPjM noch nicht, um eine Listenstreichung beantragen zu können, da das Gericht nur einen formalen Grund angab und ja noch die zweite Beschlagnahmung erlassen wurde. Im Juli gab schließlich das Amtsgericht Tiergarten bekannt, dass man den Tatbestand nach §131 StGB ausgeschlossen hat, sodass die BPjM den Antrag der Listenstreichung angenommen hat. Aus heutiger Sicht ist der Film mit Herbert Lom („Der rosarote Panther kehrt zurück“) und Udo Kier („Iron Sky: The Coming Race“) in den Hauptrollen nicht mehr als jugendgefährdend anzusehen, so die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Auch wird darf man sich wohl auf eine deutsche Auflage des Films freuen, nachdem man den Gang zur FSK hinter sich gebracht hat.

Ansonsten findet sich bei den Indizierungen die üblichen Verdächtigen wie „Cannibal Holocaust“, die französischen Horrorfilme „Martyrs“ und „High Tension – Haute Tension“ und Tom Savini’s „Night of the Living Dead“, die Neuverfilmung von George A. Romero’s Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“.

Des Weiteren findet sich nun auch die Umtragung von Das Böse, dessen Beschlagnahmung im vergangenen Monat aufgehoben wurde. Für die kommende deutschsprachige Veröffentlichung des Horror-Klassikers von Don Coscarelli zeigen sich Black Hill Pictures und Koch Media verantwortlich.

Nachfolgend die komplette Auflistung mit allen Geschehnissen des vergangenen Monats:

Indizierungen

Blu-rays und DVDs:

  • Bloodsucking Freaks ( DVD, Limited Uncut Edition) von XT Video Entertainment & NSM Records auf  Liste B
  • Cannibal Holocaust (ital. VHS) von United Artists Europe auf  Liste B
  • High Tension – Haute Tension (DVD, Uncut Version) von NSM Records auf Liste B
  • Martyrs (Blu-Ray, Uncut) von NSM Records auf  Liste A
  • Nackt und zerfleischt (DVD, Limited 3-Disc Special Edition) von XT Video Entertainment auf  Liste B
  • Night of the Living Dead (amerik. Laser-Disk) von RCA Columbia Pictures Home, Vertrieb in der BRD: Bauer CD auf Liste B
  • Die Rückkehr der Zombies (DVD/Blu-Ray) von Illusions UNLTD. Films auf Liste B
  • The Dentist (DVD, Limited 84 Edition) von ’84 Entertainment auf Liste B

Umtragungen in Liste A

  • Phantasm ( DVD, Collector’s Edition, Ungekürzte Fassung) von XT Video Entertainment Umtagung auf Liste A
  • Phantasm Teil 1 & 2 (DVD, Full Uncut Special Edition) von LP-M Entertainment Umtragung auf Liste A

Listenstreichung gemäß §18 Abs. 7 Satz 1 i.V.m. §21 Abs. 5 Nr. 2 JuschG

  • Death Wish V – The Face of death (VHS) von Highlight/ New Vision
  • Freitag der 13. (VHS) von Warner Home Video GmbH
  • Freitag der 13. (Blu-Ray) von Warner Home Video Germany
  • Freitag der 13. (DVD) von Warner Home Video
  • Freitag der 13. (DVD, Widescreen Collection) von Movie World Entertainment
  • Friday the 13th (amerik. VHS) von Paramount Pictures
  • Friday the 13th (amerik. Laser-Disk) von  Paramount Home, Vertrieb in der BRD: Bauer CD
  • Friday the 13th (engl. VHS) von Warner Home Video
  • Friday the 13th (VHS mit jugoslawischen Untertiteln) von Jadran Film
  • Hexen bis aufs Blut gequält (VHS) von VMP Video
  • Hexen bis aufs Blut gequält (Mark of the Devil) (DVD/Blu-ray/Bonus-DVD) von NSM Records, Turbine Home Entertainment, Atlas International
  • Sniper – Der Scharfschütze (VHS) von Vipro Video Produktions- und Vertriebs GmbH
  • Starship Troopers (VHS) von Buena Vista Home Entertainment

Spiele

  • Crackdown 2 (Xbox 360, EU-Version) von Microsoft Corporation

Beschlagnahme gemäß §131 StGB

  • Vile (CD und Live-DVD Metal Blade 25th Anniversary Edition) der Gruppe „Cannibal Corpse“
    AG Marburg, Beschlagnahmebeschluss vom 19.08.2016,
    Az.: (54 Gs – 1 Js 10068/16)
    AG Marburg, Einziehungsbeschluss vom 27.03.2017,
    Az.: (54 Ds – 1 Js 10068/16)

Erklärung zu den einzelnen Begriffen

Die Beschlagnahmung und Indizierung von Filmen ist in Deutschland immer noch ein großes Streitthema und wird konsequent durchgesetzt. So vergeht kaum ein Monat in dem nicht etwas verändert wird, teilweise auch zum positiven durch Listenstreichung. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Indizierung und Beschlagnahmung und welche Listen gibt es?

Die Beschlagnahmung eines Filmes nach einem oder selten auch mehreren spezifischen Paragraphen, wie z.B. §131 (Gewaltverherrlichende Inhalte) oder §184 (Kinderpornografie), sieht vor, dass dieser Film nicht öffentlich angeboten oder selbst an Erwachsene verkauft werden darf. Der Besitz ist generell verboten wenn es sich um den bereits genannten Fall von Paragraph 184 des Strafgesetzbuches handelt.

Bei der Indizierung schaut das ganze anders aus. Wurde der Antrag auf die Indizierung eines Werkes gestellt, muss die dafür zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) diesen erst anschauen und dann urteilen, ob dieser indiziert wird und in welcher Kategorie. Wenn dieser dann tatsächlich indiziert ist, darf er nicht mehr öffentlich angeboten werden, jedoch ist es einem Erwachsenen erlaubt diesen zu erwerben. Hierbei kommen wir auch nun zum nächsten Punkt: Den Listen

Es wird unterschieden Zwischen Liste A und B. Bei der ersteren handelt es sich um Filme mit jugendgefährdendem Inhalt und beim zweiten Fall (der Liste B) geht es um Filme, die laut der BPJM schwer jugendgefährdend sind und auch strafrechtlich gesehen laut dem Gesetzgeber bedenklich sind. Diese werden dann zu einem Amtsgericht weitergeleitet, welches dann ggf. noch eine Beschlagnahmung nach einem zutreffenden Paragraphen ausstellen könnte.

Titel auf den Listen A und B, also indizierte Filme, können allerdings auch wieder freigegeben werden. Hierbei spricht man von einer Listenstreichung. Diese erfolgt 25 Jahre nachdem über den Film von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geurteilt wurde, man der Ansicht ist, dass diese Indizierung nicht mehr zeitgemäß ist und der Film noch einmal einem Gremium aufgetischt wird. Dann unterscheidet der Gesetzgeber zwischen § 18 Absatz 7 des Jugendschutzgesetzes mit einer Streichung nach dem Ablauf von 25 Jahren, oder mit § 23 Absatz 4 des JuSchG (Jugendschutzgesetz), einem auf Antrag VORZEITIG gestrichenem Film.

Wenn die BPJM jedoch Filme nach 25 Jahren “entindizieren” kann, so können sie das jeweilige Werk auch folgeindizieren. Die Folgeindizierung tritt dann ein, wenn der Film laut des Gremiums immer noch die Kriterien für eine Indizierung erfüllt, aber noch nicht auf Liste A oder B vermerkt ist.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)