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Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für November 2017

Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für November 2017

Advent, Advent, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien brennt? Nein, natürlich geht es der BPjM! Jedoch scheinen die Mitarbeiter der Behörde in den letzten Wochen in Spieler-Laune gewesen zu sein, sodass vor allem die Herzen der Gamer höherschlagen werden, wenn es um Indizierungen, Beschlagnahmungen und Listenstreichungen im vergangenem November geht.

Genauer gesagt wurde die Beschlagnahmung zu Dead Rising (2006) aufgehoben, sodass das Spiel aus dem Hause Capcom („Resident Evil“) nicht mehr gegen §131 StGB. Die Hommage an George A. Romeros Zombiefilmklassiker Dawn of the Dead erschien dabei nie offiziell in Deutschland, ebenso wie dessen ersten Fortsetzung aus dem Jahr 2010. Auch „Dead Rising“ (2013) wurde nur auf die Liste B jugendgefährdendem gesetzt, sodass erst „Dead Rising 4“ Anfang des Jahres ungekürzt auf den deutschen Konson erschien.

Jedoch will sich der deutsche Zensurapparat nicht mit der Entlassung des brutalen Spiels zufriedengeben, sodass diesen Juni eine nicht von der BPjM bekanntgemachte Beschlagnahmung von „Dead Rising“ erfolgte. Die Anwälte von Capcom sind hier jedoch bereits am Ball und wollen den Beschluss aufheben lassen, bevor ein Antrag auf Listenstreichung gestellt wird.

Eine weiterer Spiele-Vertertet der es jetzt vom Index geschafft hat, ist Painkiller: Battle out of Hell, der erste Add-On zu Ego-Shooter „Painkiller“ (2004). Wie bereits das Hauptspiel, war auch das Add-On nur in einer zensierten Fassung – grünes Blut, keine Splattereffekte und keine Kinderzombies – in Deutschland erhältlich. Zuvor hatte die Anwälte von THQ Nordic es bereits geschafft, dass die drei Teile der „Red Faction“-Reihe ebenfalls vom Index kamen.

Was nun jedoch die filmischen Vertreter angeht, so findet sich diesmal nicht wirklich etwas nennenswertes. Bei den Indizierungen und Folgeindizierungen finden sich bekannte Vertreter wie das Best of Gesichter des Todes 1-3 oder Tito Brass Paprika – Ein Leben für die Liebe. Die automatischen Listenstreichungen wiesen hingegen nur verschiedene türkische Filme aus. Des Weiterem findet sich bei den vorzeitig gestrichenen Filmen eine weitere Fassung zu Stephen King’s Stark, welcher im kommenden Jahr von Koch Media neu aufgelegt wird, nachdem OFDb Filmworks die von George A. Romero inszenierte Stephen King-Geschichte erstmals hierzulande auf Blu-ray veröffentlichte.

Nachfolgend die komplette Auflistung mit allen Geschehnissen des vergangenen Monats:

Indizierungen

  • The Best of Gesichter des Todes 1-3 (VHS) von Madison Video auf Liste B

Folgeindizierungen

  • Paprika – Ein Leben für die Liebe (VHS) von VPS auf Liste A

Umtragung von Liste B in Liste A

Spiele:

  • Dead Rising (XBox 360, EU Version) von Capcom Europe Ltd.
  • Dead Rising (XBox 360, UK-Version) von Capcom Europe Ltd.

Automatische Listenstreichung gemäß §18 Abs. 7 JuschG
Filme:

  • Birakiniz Yasiyalim (Türk. VHS) von IMWA GmbH
  • Kilic Aslan (Türk. VHS) von VideoStar-Produktions- und Handels GmbH, Tele-Video-Star
  • Mahkum (Türk VHS) von Katibim Video
  • Die Faust der Ehre (Türk. VHS) von Uzelli Video
  • Trafik Cemal – Hem Sevis, Hem Dövüs (Türk. VHS) von Sine Video

Spiele:

  • Rambo III (Telespiel) von Sega Enterprises Ltd. Gesellschaft f. Videospiele

 Listenstreichung gemäß §18 Abs. 7 Satz 1 i.V.m. §21 Abs. 5 Nr. 2 JuschG
Filme:

  • Stephen King’s Stark (DVD) von MGM Home Enterainment GmbH

Spiele:

  • Painkiller: Battle out of Hell (PC CD-ROM, EU-Version) von DreamCatcher Interactive
  • Painkiller: Battle out of Hell (PC CD-ROM, US-Version) von DreamCatcher Interactive
  • Painkiller: Hell Wars (XBox, EU-Version) von Koch Media Limited

Aufhebung der Beschlagnahme gemäß §131 StGB
Spiele:

  • Dead Rising (XBox 360, EU-Version) von Capcom-Europe Ltd.
    AG Hamburg, Beschlagnahmebeschluss vom 11.06.2007, Az.: 167 Gs 551/07 wird aufgehoben
    AG Hamburg, Beschluss vom 23.10.2017, Az.: 167 Gs 551/07 – 7101 Js 902/66
  • Dead Rising (XBox 360, UK-Version) von Capcom-Europe Ltd.
    AG Hamburg, Beschlagnahmebeschluss vom 11.06.2007, Az.: 167 Gs 551/07 wird aufgehoben
    AG Hamburg, Beschluss vom 23.10.2017, Az.: 167 Gs 551/07 – 7101 Js 902/66

Erklärung zu den einzelnen Begriffen

Die Beschlagnahmung und Indizierung von Filmen ist in Deutschland immer noch ein großes Streitthema und wird konsequent durchgesetzt. So vergeht kaum ein Monat in dem nicht etwas verändert wird, teilweise auch zum positiven durch Listenstreichung. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Indizierung und Beschlagnahmung und welche Listen gibt es?

Die Beschlagnahmung eines Filmes nach einem oder selten auch mehreren spezifischen Paragraphen, wie z.B. §131 (Gewaltverherrlichende Inhalte) oder §184 (Kinderpornografie), sieht vor, dass dieser Film nicht öffentlich angeboten oder selbst an Erwachsene verkauft werden darf. Der Besitz ist generell verboten wenn es sich um den bereits genannten Fall von Paragraph 184 des Strafgesetzbuches handelt.

Bei der Indizierung schaut das ganze anders aus. Wurde der Antrag auf die Indizierung eines Werkes gestellt, muss die dafür zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) diesen erst anschauen und dann urteilen, ob dieser indiziert wird und in welcher Kategorie. Wenn dieser dann tatsächlich indiziert ist, darf er nicht mehr öffentlich angeboten werden, jedoch ist es einem Erwachsenen erlaubt diesen zu erwerben. Hierbei kommen wir auch nun zum nächsten Punkt: Den Listen

Es wird unterschieden Zwischen Liste A und B. Bei der ersteren handelt es sich um Filme mit jugendgefährdendem Inhalt und beim zweiten Fall (der Liste B) geht es um Filme, die laut der BPJM schwer jugendgefährdend sind und auch strafrechtlich gesehen laut dem Gesetzgeber bedenklich sind. Diese werden dann zu einem Amtsgericht weitergeleitet, welches dann ggf. noch eine Beschlagnahmung nach einem zutreffenden Paragraphen ausstellen könnte.

Titel auf den Listen A und B, also indizierte Filme, können allerdings auch wieder freigegeben werden. Hierbei spricht man von einer Listenstreichung. Diese erfolgt 25 Jahre nachdem über den Film von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geurteilt wurde, man der Ansicht ist, dass diese Indizierung nicht mehr zeitgemäß ist und der Film noch einmal einem Gremium aufgetischt wird. Dann unterscheidet der Gesetzgeber zwischen § 18 Absatz 7 des Jugendschutzgesetzes mit einer Streichung nach dem Ablauf von 25 Jahren, oder mit § 23 Absatz 4 des JuSchG (Jugendschutzgesetz), einem auf Antrag VORZEITIG gestrichenem Film.

Wenn die BPJM jedoch Filme nach 25 Jahren “entindizieren” kann, so können sie das jeweilige Werk auch folgeindizieren. Die Folgeindizierung tritt dann ein, wenn der Film laut des Gremiums immer noch die Kriterien für eine Indizierung erfüllt, aber noch nicht auf Liste A oder B vermerkt ist.

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