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Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für Oktober 2017

Indizierungen, Beschlagnahmungen & Listenstreichungen für Oktober 2017

Der Oktober ist angebrochen und die Tage werden kürzer, dunkler und kälter. Etwas freundlicher, jedoch ebenfalls relativ kurz, sieht hingegen jedoch, der neueste Bericht aus den Amtszimmern der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) aus.

Eines der interessantesten Details im Rapport dürfte wohl die Umtragung von Wes Cravens‘ Kultfilm Das letzte Haus links alias Mondo Brutale („The Last House on the Left“) sein. Der Exploitation-Horrorfilm, der ebenfalls im Genre „Rape-and-Revenge“ beheimatet ist, erschien erstmals im deutschsprachigen Raum mehrere Minuten gekürzt auf VHS, welche 1983 dann auch indiziert wurde. Erst Ende der 1990er Jahre, wurde er erstmals in Deutschland ungekürzt veröffentlicht. Rund 10 Jahre später wurde man dann auf diese Fassung aufmerksam und beschlagnahmte diese nach §131 StGB. Weitere Beschlagnahmungen folgen, während eine um ganze 11 Minuten gekürzte Fassung durch die  SPIO/JK-Prüfung kam

2012 war es dann soweit und Turbine Medien veröffentlichte „The Last House on the Left“ nicht nur erstmalig in HD-Qualität auf Blu-ray und DVD, sondern auch komplett ungeschnitten; jedoch über Österreich. Wie für das Label typisch, versprach man auch diesen Film in Deutschland rehabilitieren zu wollen, da man hier eigentlich keine strafrechtliche Relevanz mehr sieht. Das Landgericht in Fulda stimmte der Argumentation zu, sodass mit der Umtragung der erste Schritt in Richtung Rehabilitation gemacht wurde. Als nächstes steht der Gang zur FSK bevor.

Vom Index hingegen verschwunden ist Stephen Kings‘ Stark („The Dark Half“), welcher dort seit dem Jahre 1994 gefangen war. Erst im Juli 2017 wurde die von George A. Romero († 16. Juli 2017) inszenierte Adaption eines Stephen King-Werke von OFDb Filmworks erstmals hierzulande auf Blu-ray veröffentlicht. Nachdem nun Verkaufs- und Vertriebsbeschränkungen hinfällig geworden sind, darf man diese liebefall gestaltete Edition nun offen angeboten und verkauft werden.

Nachfolgend die komplette Auflistung mit allen Geschehnissen des vergangenen Monats:

Indizierungen

  • Death Press (VHS, Special, japanische Version) von Real Video auf Liste A
  • Kartalbey (türk VHS) von Arsel Film auf  Liste B
  • Der Verbrecher mit dem Engelsgesicht („Melek Yüzlü Cani“, türk. VHS) von Arsel Film auf Liste B

    Umtragungen von Liste B in Liste A

  • The Last House on the Left (BluRay, Collector’s Edition, Unrated) von MGM & Twentieth Century Fox

 Automatische Listenstreichung gemäß §18 Abs. 7 JuschG

  • Das ist Amerika – Teil 3 (VHS) von Starlight
  • Happy Hell Night – Verflucht in alle Ewigkeit (VHS) von VPS (Label: Empire)
  • Lady Dragon (VHS) von VMP (Label: Cannon)
  • Tödliche Flucht (VHS) von IMV
  • Das Tor zur Hölle (VHS) von Ascot c/o Dynamik Service & Vertrieb

Listenstreichung gemäß §18 Abs. 7 Satz 1 i.V.m. §21 Abs. 5 Nr. 2 JuschG

  • Stephen King’s Stark (VHS) von Columbia TriStar

Erklärung zu den einzelnen Begriffen

Die Beschlagnahmung und Indizierung von Filmen ist in Deutschland immer noch ein großes Streitthema und wird konsequent durchgesetzt. So vergeht kaum ein Monat in dem nicht etwas verändert wird, teilweise auch zum positiven durch Listenstreichung. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Indizierung und Beschlagnahmung und welche Listen gibt es?

Die Beschlagnahmung eines Filmes nach einem oder selten auch mehreren spezifischen Paragraphen, wie z.B. §131 (Gewaltverherrlichende Inhalte) oder §184 (Kinderpornografie), sieht vor, dass dieser Film nicht öffentlich angeboten oder selbst an Erwachsene verkauft werden darf. Der Besitz ist generell verboten wenn es sich um den bereits genannten Fall von Paragraph 184 des Strafgesetzbuches handelt.

Bei der Indizierung schaut das ganze anders aus. Wurde der Antrag auf die Indizierung eines Werkes gestellt, muss die dafür zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) diesen erst anschauen und dann urteilen, ob dieser indiziert wird und in welcher Kategorie. Wenn dieser dann tatsächlich indiziert ist, darf er nicht mehr öffentlich angeboten werden, jedoch ist es einem Erwachsenen erlaubt diesen zu erwerben. Hierbei kommen wir auch nun zum nächsten Punkt: Den Listen

Es wird unterschieden Zwischen Liste A und B. Bei der ersteren handelt es sich um Filme mit jugendgefährdendem Inhalt und beim zweiten Fall (der Liste B) geht es um Filme, die laut der BPJM schwer jugendgefährdend sind und auch strafrechtlich gesehen laut dem Gesetzgeber bedenklich sind. Diese werden dann zu einem Amtsgericht weitergeleitet, welches dann ggf. noch eine Beschlagnahmung nach einem zutreffenden Paragraphen ausstellen könnte.

Titel auf den Listen A und B, also indizierte Filme, können allerdings auch wieder freigegeben werden. Hierbei spricht man von einer Listenstreichung. Diese erfolgt 25 Jahre nachdem über den Film von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien geurteilt wurde, man der Ansicht ist, dass diese Indizierung nicht mehr zeitgemäß ist und der Film noch einmal einem Gremium aufgetischt wird. Dann unterscheidet der Gesetzgeber zwischen § 18 Absatz 7 des Jugendschutzgesetzes mit einer Streichung nach dem Ablauf von 25 Jahren, oder mit § 23 Absatz 4 des JuSchG (Jugendschutzgesetz), einem auf Antrag VORZEITIG gestrichenem Film.

Wenn die BPJM jedoch Filme nach 25 Jahren “entindizieren” kann, so können sie das jeweilige Werk auch folgeindizieren. Die Folgeindizierung tritt dann ein, wenn der Film laut des Gremiums immer noch die Kriterien für eine Indizierung erfüllt, aber noch nicht auf Liste A oder B vermerkt ist.

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